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Alstom-Pilotprojekt Autonomes Fahren in Niedersachsen geht in die nächste Phase

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Digitalisierung im regionalen Passagierverkehr 

  • Automatisiertes Fahren ist die Voraussetzung für einen nachhaltigen und effizienten Schienenverkehr der Zukunft 
  • Kooperation zwischen Alstom, LNVG, TU Berlin und DLR
  • BMWK und Nds. Wirtschaftsministerium unterstützen Zukunft der Mobilität

10. Juni 2022 – Das Forschungsprojekt „Automatisiert fahrende Regionalzüge in Niedersachsen“ geht in die nächste Phase. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der TU Berlin entwickelt Alstom technische Lösungen, um den Schienenpersonenverkehr in Deutschland schrittweise zu digitalisieren. Das Projekt wird über das Europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS die Möglichkeiten der Automatisierung im Regionalverkehr ausloten. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) unterstützt das Projekt und stellt zwei Regionalzüge für die Tests zur Verfügung. Erprobt wird das automatisierte Fahren auf Strecken in Niedersachsen. Während das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Forschungsprojekt zur Automatisierung unterstützt, finanziert das Niedersächsische Wirtschaftsministerium die notwendige Ausrüstung der beiden Versuchsfahrzeuge mit 5,5 Mio. Euro, maßgeblich aus dem Sondervermögen Digitalisierung.

Für die Versuche in Niedersachsen werden in einer ersten Phase neue Systeme für den automatisierten Betrieb entwickelt. Dazu gehört die Signalerkennung, um die an der Strecke aufgestellten Signale (Verkehrszeichen der Bahn) erkennen und interpretieren zu können. Zudem muss der Zug Hindernisse erkennen können. Im Störungsfall wird der Zug ferngesteuert oder vom Zugbegleiter geführt. Alstom hat bereits mit Versuchszügen in anderen Ländern gezeigt, dass automatisiertes Fahren und die Fernsteuerung von Zügen technisch umgesetzt werden können. Im Projekt wird ermittelt, ob der vorhandene regulatorische Rahmen für den automatischen Betrieb (ATO) angepasst werden muss. Daraufhin wird geprüft, welche Tests und Ergebnisse benötigt werden, um das automatisierte Fahren und seine Sicherheit für den Fahrgastbetrieb hinreichend unter Beweis zu stellen.

In einer zweiten Phase muss das automatisierte Fahren als „Reallabor“ soweit wie möglich unter realen Bedingungen erfolgen. Die neuen Systeme werden in die zwei mit ETCS vorgerüsteten LNVG-Triebzüge eingebaut und im Betrieb getestet. Die Erkenntnisse aus der Entwicklung und dem Betrieb helfen dabei, die spätere Zulassung voll automatisierter Züge vorzubereiten und den Regionalverkehr weiter zu automatisieren.

Niedersachsens Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann sagt: „Die Zukunft des Schienenverkehrs ist klimaneutral und digital – das wissen wir gerade in Niedersachsen sehr gut. Nachdem wir hier bereits seit 2018 die weltweit ersten emissionsfreien Wasserstoffzüge einsetzen, erproben wir nun, wie wir durch autonom fahrende Züge eine noch höhere Qualität im Nahverkehr erreichen können. Das Projekt verbindet zwei herausragende Qualitäten des Standortes Niedersachsen: innovative Mobilität und einen hohen Digitalisierungsgrad. Wir schaffen damit die Grundlage für mehr Verkehr auf der Schiene.“

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, führt aus: „Die Automatisierung der Bahn, gerade des Regionalverkehrs, bietet vielfältige Chancen. Sinkende Betriebskosten erleichtern regionalen Anbietern den Einstieg in den Markt oder den Ausbau ihres Angebots. Unrentabel gewordene Strecken können automatisiert wieder rentabel betrieben werden. Dadurch wird auch der Pendelverkehr auf der Straße verringert: weniger CO2-Emissionen und entspanntere Fahrt für die Pendler.“

Müslüm Yakisan

„Automatisiertes Fahren bildet die Voraussetzung für einen nachhaltigen und effizienten Bahnverkehr der Zukunft. Mit unserem gemeinsamen Pilotprojekt schaffen wir die Basis für den Einsatz dieser Technologie im deutschen Regionalverkehr und treiben die Umsetzung entsprechender technischer Lösungen maßgeblich voran.“

Müslüm Yakisan
Präsident der Region DACH bei Alstom

„Automatisiertes Fahren bildet die Voraussetzung für einen nachhaltigen und effizienten Bahnverkehr der Zukunft. Mit unserem gemeinsamen Pilotprojekt schaffen wir die Basis für den Einsatz dieser Technologie im deutschen Regionalverkehr und treiben die Umsetzung entsprechender technischer Lösungen maßgeblich voran“, so Müslüm Yakisan, Präsident der Region DACH bei Alstom. „Neben unserer Partnerschaft mit der LNVG sind wir zudem an mehreren weiteren laufenden Automatisierungsprojekten für den Deutschen Regionalverkehr aktiv beteiligt. So werden wir beispielsweise im Rahmen der Leuchtturmprojekte Stuttgart 21 und ‚Digitaler Knoten Stuttgart‘ S-Bahn- und Regionalzüge im Großraum Stuttgart auf ETCS-Technologie umrüsten.“

Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung, betont: „Die Förderung technischer Innovationen ist uns ein Kernanliegen. Wir freuen uns, diese Entwicklung mit zwei unserer Fahrzeuge unterstützen zu können.“

„Ein auf deutschen Strecken automatisiert fahrender Regionaltriebzug stellt eine spannende Anwendung für die Forschung im Eisenbahnwesen dar“, sagt Prof. Dr.-Ing Birgit Milius, Leiterin des Fachgebietes Bahnbetrieb und Infrastruktur an der TU Berlin. Wissenschaftliche Zielstellungen sind unter anderem die bahntaugliche Optimierung des Arbeitsplatzes des fernsteuernden Operators und betriebliche Untersuchungen für die mobile Zugsteuerung durch den Zugbegleiter innerhalb und außerhalb des Führerstandes. Usability-Untersuchungen und die technische Machbarkeit stehen im Vordergrund. Auch das Thema Zulassungsvorbereitung wird von der TU Berlin wissenschaftlich betreut. Zusammen mit den Partnern erarbeitet die TU Berlin eine Systemdefinition für fahrerloses Fahren, Differenzanalysen zum heutigen Betrieb mit Triebfahrzeugführer und Sicherheitsanalysen des neuen Systems. Es soll ein möglicher Weg hin zu einer generischen Zulassung des fahrerlosen Fahrens entwickelt werden.

„Die Automatisierung des Schienenverkehrs ist ein wichtiger Schritt für ein flexibles und damit auch attraktiveres Mobilitätsangebot in der Region. Die damit verbundenen Änderungen der betrieblichen Prozesse sowie der Aufgaben und Rollen des Personals und eine nutzerzentrierte Gestaltung der zukünftigen Arbeitsplätze sind Forschungsfragestellungen, an denen das DLR arbeitet. Das Spannende hierbei ist, dass diese Arbeiten im Rahmen eines Reallabors und damit ganz nah am wirklichen Betrieb erfolgen“, erklärt Dr. Bärbel Jäger vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik.

Für die Einführung eines automatisierten Bahnbetriebs im Regionalbereich wird das DLR sowohl die betrieblichen Anforderungen an die später einzusetzende Technik identifizieren als auch erforderliche Anpassungen hinsichtlich des heute manuell geführten Fahrzeugs ermitteln. Außerdem werden die Forschenden mit Hilfe von eisenbahnbetrieblichen und wirtschaftlichen Berechnungen untersuchen, wie die Automatisierungslösungen auf andere Regionalstrecken übertragen werden können. Ziel ist es, daraus Handlungsempfehlungen für deren Ausrüstung abzuleiten.

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